Wikipedia (kollektive Intelligenz vs. Expertenansatz)

Aus Iundg2008

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User: Ron, Aline, Speedy - Gruppe: Das Wiki

Inhaltsverzeichnis

Zielstellung

Ziel der Präsentation:

  • Darstellen des aktuell geführten Diskurses über Ansätze kollektiver Intelligenz am Beispiel Wikipedia und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft.
  • (Insbesondere die Diskussion über "kollektive Intelligenz" als zentraler Wirkmechanismus und Erfolgskriterium von Wikipedia und über den Gegenentwurf "Expertenansatz", also die klassische Enzyklopädie, mit Pro und Contra darstellen.)

Fragestellungen für die anschließenden Diskussion:

  • Pro und Contra des Ansatzes der kollektiven Intelligenz bewerten
    • Vorteile
    • Gefahren
  • Zukünftige Entwicklung und Konsequenzen für die Gesellschaft in verschiedenen Bereichen
    • Bildung
    • Wirtschaft
    • Wissensgesellschaft
    • Globalisierung
    • Konkurrenz von Wikipedia
    • etc.

Begriffsklärung

kollektive Intelligenz

  • Wikipedia-Seite über kollektive Intelligenz:
    • Systemtheorie: Internet als Superorganismus und Entwicklung der Begriffsbedeutung hin zu aggregierter menschlicher Intelligenz (was ja zur Interpretation von Wikipedia passen würde)
    • soziologische Interpretation: gemeinsame, konsensbasierte Entscheidungsfindung. Das Internet vereinfacht wie nie, dezentral verstreutes Wissen der Menschen zu koordinieren und so deren kollektive Intelligenz nutzbar zu machen. Dem Leitbild der Schwarmintelligenz wird das Potential unterstellt, Gesellschaft und Märkte zu transformieren. Als Beispiel hierfür werden Smart Mobs wie die Critical Mass-Bewegung angeführt.
    • Naturwissenschaft: Klassisches Beispiel Ameisenstaat. Einzelne Ameisen haben ein sehr begrenztes Verhaltens- und Reaktionsrepertoire. Im selbstorganisierenden Zusammenspiel ergeben sich jedoch immer wieder Verhaltensmuster, die "intelligent" genannt werden können.
    • Informatik: Schwarmintelligenz, das Forschungsfeld der Künstlichen Intelligenz (KI), das auf Agententechnologie basiert, heißt auch Verteilte Künstliche Intelligenz (VKI). Das Arbeitsgebiet versucht, komplexe vernetzte Softwareagentensysteme nach dem Vorbild staatenbildender Insekten wie Ameisen, Bienen und Termiten, sowie teilweise auch Vogelschwärmen zu modellieren.
  • Der Delphi-Effekt beschreibt das Phänomen,dass die gemittelte Meinung einer Masse von gleich kompetenten Beobachtern etwas zuverlässigere Vorhersagen ergibt als die eines einzelnen willkürlich herausgepickten Beobachters.
  • entweder man geht von der Intelligenz der Unverbundenen (im Sinne man kennt sich kaum, hohe Diversität) oder von der Intelligenz der Verbunden (im Sinne von Insektenstämmen) aus

kollektive Expertenintelligenz

  • Die Delphi-Methode nutzt eine Gruppe von Experten und einen kontrollierten Prozess der Meinungsbildung um zu einem Mittelwert zu kommen.
  • Strategie der Delphi-Methode: Konzentration auf das Wesentliche, mehrstufiger, teilweise rückgekoppelter Editierprozess, sicherere, umfassendere Aussagen durch Zulassen statistischer fuzzyartiger Ergebnisse.

Expertenansatz

  • Es gibt wenige Experten, die mehr Wissen als die Masse, weil sie lange Übung haben.
  • Den Expertenstatus in einem Fachgebiet zu erreichen benötigt ca. 10 Jahre intensiver Arbeit und Beschäftigung mit diesem Thema. (Quelle: Psychologie-Vorlesung "Denken und Handeln" bei Prof. Frensch)
  • Erstellen der klassischen Enzyklopädie: Ein Experte des jeweiligen Fachgebiets verfasst den Beitrag, der von Fachredakteuren bearbeitet wird.
    • Vorteil: Expertenstatus des Autoren ist durch die Redaktion und deren sorgfältige Auswahl "garantiert". Kontrolle des Beitrags erfolgt in jedem Fall.

Diskurs: Bei Wikipedia ist der Expertenstatus des Verfassers nicht garantiert, dafür kann in Zusammenarbeit mit vielen Mitarbeitern die Qualität ständig verbessert werden. Zudem existiert ein immer stärker verbessertes Bewertungs- und Kontrollsystem. Kann also Wikipedia so viel schlechter sein? Wer schliesst aus, dass viele Wissenschaftler und Professoren an ihr arbeiten? Die Autoren schreiben über sich selbst und viele sind stolz auf ihr Fachgebiet, in dem sie Experten sind und in dem sie hochqualifizierte Fachartikel verfassen.

Technik

  • INTERNET
    • =globales Datennetz und bildet damit das Kernstück der Wissensgesellschaft
    • Internet verbreitet sich rasant in alle Teile der Welt, wird schneller und immer mehr anerkannt/benutzt
  • WIKI
    • ist ein Webangebot, dessen Seiten jedermann leicht und ohne technische Vorkenntnisse direkt im Webbrowser ändern kann. [1]
    • plattformunabhängig
  • Wikipedia [2]
    • Die Wikipedia ist ein Projekt freiwilliger Autoren zum Aufbau einer Enzyklopädie und nichts anderes. Die Artikel sollen ausschließlich bedeutsames Wissen aus belegten und zuverlässigen Quellen enthalten. Der Name Wikipedia setzt sich zusammen aus wikiwiki, dem hawaiischen Wort für „schnell“, und „encyclopedia“, dem englischen Wort für „Enzyklopädie“.
    • Das Hauptmerkmal: jedermann kann unmittelbar Artikel einstellen oder verändern. Bestand hat, was von der Gemeinschaft akzeptiert wird. Bisher haben international etwa 285.000 angemeldete und eine unbekannte Anzahl von nicht angemeldeten Benutzern Artikel zum interaktiven Projekt beigetragen. Mehr als 7.000 Autoren arbeiten regelmäßig an der deutschsprachigen Ausgabe mit. Die Autoren sind unabhängig von der Organisation, haben keine Pflichten.
    • Das im Januar 2001 gegründete Projekt bezeichnet sich als „freie Enzyklopädie“, weil alle Inhalte unter freien Lizenzen stehen (die Artikeltexte sind durchgängig unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation lizenziert, bei Bildern gibt es unterschiedliche Lizenzen). Sie räumen jedermann unentgeltlich das Recht ein, die Inhalte unter bestimmten Bedingungen – auch kommerziell – zu nutzen, zu verändern und zu verbreiten. Betrieben wird Wikipedia von der Wikimedia Foundation, einer Non-Profit-Organisation mit Sitz in Florida, USA. In vielen Ländern gibt es assoziierte Vereine, die die Ziele der Foundation teilen.
    • Die im März 2001 gegründete deutschsprachige Wikipedia ist eine von vielen internationalen Wikipedia-Ausgaben. Mit 755.071 Artikeln ist sie zur Zeit die zweitgrößte Wikipedia nach der englischen, die über 2 Millionen Artikel (2,391,354 - Stand 28.05.2008 [3]enthält. Auf Wikipedia:Sprachen befindet sich eine Liste aller Sprachen der Wikipedia.
    • Detaillierte Angaben über Gründung und Entwicklung von Wikipedia auf den Wikipediaseiten deutsch und englisch.
  • Weiterentwicklung und aktuelle Trends
    • Verbesserung der Zuverlässigkeit und Genauigkeit der Artikel
    • Umgehen mit Vandalismus
    • Einbinden von Bildern und Filmen
    • Schwesterprojekte
      • z.B. Zitate, Lehrbücher, Wörterbücher, Lernplattform, Quellen, Nachrichten, Medien, Kommunikation
    • Schrittweise neue Regeln für Autoren zur Kennzeichnung von Einträgen [4]: Näheres bei Normen.
    • Bertelsmann möchte ein Wikipedia-Lexikon drucken! Wikipedia erreicht also das klassische Verlagswesen, soll dafür vom Bertelsmann-Lektorat überarbeitet werden.
  • Antwortmaschinen
    • semantische Verarbeitung, statt nur Stichwörter (SEMPRIA, von Hermann Helbig)
    • auch Verarbeitung impliziten Wissens (NEOFONIE in Berlin)

Diskurs: Zugang für jeden leicht, gewinnen vieler aktiver Nutzer. Hierdurch kann zum ersten Mal überhaupt erst so etwas wie eine kollektive Intelligenz entstehen.

Diskurs: Ab wann kann man von Intelligenz sprechen? Muss es nicht einen Output geben? Was kann der Output sein? Das Menschen in kürzester Zeit auf alle Informationen zugreifen können und daraus Wissen gewinnen? Mit diesem neuen Wissen handeln sie in der realen Welt für die Gesellschaft besser als ohne dieses Wissen?

Diskurs: Antwortmaschinen - Wie weit sollte man mit der Entwicklung dieser gehen, in wieweit dürfen sie den User im Internet beobachten um zu lernen?

Macht

Regierungen

  • es ist schwerer Wissen in einer Person einzukaufen und Meinungen durch Positionen zu verzerren
  • Wissen wird überregionaler, internationaler und globaler
  • so werden auch wir uns neu bilden und auch Staaten und Gemeinden auf neue Art regieren
  • Zensur von Wikipedia in China, vorläufig aufgehoben während der Olympischen Spiele, zeigt die Wichtigkeit der Informationsregulation.

Wirtschaft

  • oft wird dieser Ansatz von vielen Managern als Bedrohung erlebt, doch wo bleibt die Innovation
  • etablierte Ineressengruppen käpfen gegen Veränderung und Führen ist schwer geworden, wenn alle teilhaben wollen und sollen
  • Firmen haben keine Wahl mehr OB sondern nur WANN
  • es ist schwerer Wissen in einer Person einzukaufen und sich die Macht durch Überlegenheit zu verschaffen
  • die meisten (Manager, Investoren, Konsumenten, Wähler) glauben wertvolles Wissen liegt nur in sehr wenigen Händen, auch wenndie Masse gute Entscheidungen trifft, neigen wir dazu es einigen wenigen Köpfen zuzuschreiben
  • firmen müssen lernen sich die kollektive Intelligenz zu Nutzen zu machen und z.B. auch systematisch Unterstützersysteme für den Wissensaustausch in der eigenen Firma einführen
  • virtuelle Unternehmen können auch als Phänomen der kollektiven Intelligenz gesehen werden
  • WEB 2.0 es sprißen jede Menge Firmen aus dem Boden, die genau diese kollektive Intelligenz für sich arbeiten lassen
  • "Wir betreten eine Welt, in der sich Vorteile am Markt aus die Herrschaft über Datenquellen ergeben."
  • Bsp. McEwen: könnten nicht fast alle Probleme so gelöst werden
  • Einfluss der Wirtschaft auf Wikipedia-Artikel:

Firmen und Aktionäre

  • der Netzwerkeffekt (z.B. Google): Je mehr Leute Ihren Dienst nutzen, desto mehr Rückmeldungen bekommen Sie, desto eher werden Sie zum Gewinner.
  • Sammler und Verteiler von Infos verdienen überproportional
  • Antwortmaschine, eine erweiterung von Google: Forscher arbeiten sehr intensiv an Programmen, die nicht nur nach Stichwörtern suchen, sondern Infos auch nach Sprache und ihren implizitem Wissen durchforsten, muss es dann noch Enzyklopädien (einen Ort, wo das Wissen zusammen kommt) geben?
  • Menschen können zum einen nur beobachtet werden (Amazon zeigt dir deine Lieblingsauswahl von Büchern), was zur Erhöhung der kollektiven Intelligenz führt, oder sie werden zu aktiven Mitwirken aufgefordert (Amazon fordert dich zum Rezensionen schreiben auf)
  • z.B sagt Zahl der Rezensionen mehr über Buch aus, als Inhalt
  • Zensur - durch die Wikipedia-Macher?
    • Die Artikelautoren sind unabhängig von diesen Organisationen.
    • Wikipedia ist nicht verantwortlich für die Inhalte der Enzyklopädie, ein Rechtstreit wurde gewonnen: Frankfurt am Main/Köln - 16. Mai 2008 - Vor dem Landgericht Köln ist diese Woche erneut ein Versuch gescheitert, Wikimedia Deutschland für Inhalte der freien Enzyklopädie Wikipedia verantwortlich zu machen. Damit konnte der gemeinnützige Verein auch den letzten noch laufenden Rechtsstreit erfolgreich abschließen.
    • Redaktion hat die Möglichkeit Einträge zu löschen. Anträge kann jeder Nutzer stellen. Kommt aber sehr selten vor
  • Mc Ewen Goldsuchmaschine, entwickelte sich zum drittgrößten Goldproduzent in Nordamerika

Medien

  • Meinungsmacht, inzwischen sehr oft zitiert
  • Jaron Lanier: digitaler Maoismus
  • wird von der Gegenseite auch als Open- Source- Jornalismus gehandelt

Experten

  • die Macht des Einzelnen schwindet in der Masse
  • Wann lohnt sich Expertise dann noch?
  • Experten veröffentlichen vermehrt open source, damit sich die Zitation erhöht
  • "Das Teilen für die Wissenschaft und die Wissenschaft des Teilens"
  • Kritik der Experten an der Wikipedia: Die Idee der totalen Wissensproduktion von anonymen Hobbyautoren führt dabei zu einem gigantischen Haufen an Informationsmüll. Das Verhältnis zwischen Suchbegriffen und Ursprung der Information scheint dabei immer mehr aus dem Ruder zu laufen. Die Seite ,,Ufo" etwa ist über drei Doppelklicks mit der offiziellen Website der Scientology*Sekte verbunden. Durch solche Verlinkungen entstehen Endlosschleifen, welche die ursprüngliche Idee der Enzyklopädie außer Kraft setzen: ,,Wikipedia ist somit ein okkultistisches Medium. Es ist gespickt mit Propaganda, Fehlinformationen und Verlinkungen zu fragwürdigen Anbietern", so Sabine Doering*Manteuffel, Professorin für Europäische Ethnologie an der Universität Augsburg. Das Regelwerk von Wikipedia sei bislang löchrig wie ein Schweizer Käse. [5]


User

  • "Die ganze Welt ist eine Bühne und Sie sind der Star" (Partizipative Plattformen)
  • Macht der Allgemeinheit (z.B. Artikel zu korrigieren)
  • Jeder kann publizieren und findet eine Öffentlichkeit
  • Zensur - durch das Kollektiv (alle User)
  • "zwanglose Zwang des besseren Arguments"
  • User ist das Instrument der kollektiven Intelligenz, stellt Infos (auch über sich selbst) zur Verfügung


kann man Fimen/ Aktionäre und Wirtschaft nicht zusammenschließen, oder man mach Wirtschaft allgemein und Firmen sind die die daran verdienen? --Speedy 14:25, 28. Mai 2008 (CEST)

Diskurs: Wer hat die Macht Artikel zu veröffentlichen, zu verändern, freizuschalten, zu zensieren? Wie erreicht man am besten das Ziel der Wikipedia (Das beste und umfangreichste Nachschlagewerk / Wissensarchiv er Welt zu erschaffen)? Durch kollektive Intelligenz oder wenn nur ausgewiesene Experten daran arbeiten (Das ist ja eigentlich der Ansatz der klassischen Enzyklopädie).

Diskurs: Macht und Propaganda - Wie wird verhindert, dass Wikipedia eine Propagandaplattform wird? Wer darf seine "Wahrheiten" darstellen? z.B. Evolutionstheorie vs. Kreationismus: Dürfen beiden gleichberechtigt als "Wahrheit" in Wikipedia stehen? Oder darf eine Wahrheit gewinnen und die andere Sichtweise verdrängen oder verbieten? Wer hat hier die Macht dazu? Beim Expertenansatz entscheidet eine Redaktion / ein Herausgeber welchem Experten sie glaubt. Experte und Beitrag werden in den meisten Fällen nach wissenschaftlichen Kriterien geprüft, abhängig vom Ziel des Herausgebers.

Ideologie

Expertenansatz

  • wir suchen zwanghaft nach DEM Experten (Jack B. Soll)
  • die Dummheit der Masse (Le Bon)
  • schon zu Zeiten der Aufklärung gab es sowas wie die Sammlung des kollektiven Wissens, Enzyklopädie von d’Alembert und Diderot allerdings von Experten
  • Diskurs der Zeit: Kann ohne Experten ein seriöses Lexikon entstehen?
    • Wikipedia hat das Archivieren von Wissen demokratisiert. Aber was bedeutet das für das Wissen und für die Wahrheit?
    • Wales bezweifelte, dass man auf diese bürokratische Weise die Interessen der Nutzer ausreichend befriedigen könne. Und er erinnerte sich an einen Text, den er als Student gelesen hatte, Friedrich Hayeks Die Verwertung des Wissens in der Gesellschaft aus dem Jahr 1945, in dem der Ökonom argumentiert, dass eine zentralisierte Gesellschaft nie so effizient sei wie eine dezentralisierte. Denn das Wissen des Einzelnen sei immer unvollkommen. Wahrheit könne nur entstehen, wenn die Menschen ihr Wissen zusammenführten. Für Wales stand fest: Auch das Ordnen des Netzes muss dezentralisiert werden. Es war das Prinzip des Bienenschwarms.
    • Zur gleichen Zeit begann man bei Brockhaus in Mannheim und Leipzig darüber nachzudenken, ob man den Großen Brockhaus in einer neuen, einer 21. Auflage herausbringen sollte. Es wurde gerechnet. Bis zu 70 Fachredakteure und über 700 wissenschaftliche Autoren brauchte so ein Projekt, für das ein zweistelliger Millionenbetrag aufgewendet werden musste. Die Klassifizierung des Wissens musste völlig neu überarbeitet werden. 98 Hauptgebiete waren durchzusehen, es musste über neue Stichwörter entschieden werden und über die Streichung von alten. Es wurden Facharbeitsgruppen von vier bis fünf Redakteuren gebildet, Vorschläge für neue Stichwörter wurden erarbeitet und vorgestellt. Vier Monate wurde diskutiert, überdacht und gekämpft. Dann war klar, der Rapper Eminem kommt rein, der Begriff »Abwrackaktion« fliegt raus.
    • Die Demokratisierung des Wissens, wie Wikipedia sie betreibt, führt nach Meinung von Hubertus Brockhaus unweigerlich zu Ungenauigkeiten. Und wer erkenne diese Ungenauigkeiten dann noch, wenn es keine Rückversicherung mit geprüften Daten mehr gibt? Wahrheit, sagt Brockhaus, funktioniere nun einmal nicht wie eine Maschine, die sich bei einem Fehler einfach ausschaltet. »Unwahrheiten leben lange.«

Ansatz der kollektiven Intelligenz

  • Irrtumsanfälligkeit des Experten
  • user generated content
  • jeder nach bestem Wissen und Gewissen
  • Flexibilität, Robustheit
  • Selbstorganisation
  • jeder bringt sein Wissen und seine Stärken zum Gemeinwohl ein
  • DEMOKRATISIERUNG DES WISSENS
  • das findet man sowohl bei Naturwissenschaftlichen Entscheidungen als auch bei soziologischen Untersuchungen
  • Der Mittelwert aller Schätzungen war sogar präziser als der beste Einzeltipp (John Craven)
  • "Die Größe einer Gruppe wirkt als Korrektiv. Je mehr Menschen unabhängig voneinander etwas schätzen, desto breiter sind die einzelnen Tipps um das wahre Ergebnis herum gestreut. Der gemittelte Durchschnitt einer großen Gruppe sollte deshalb eine sehr gute Näherung darstellen."
  • Aber einige Regeln sind notwendig:
    • Die Artikel von einem neutralen Standpunkt aus geschrieben sein und sich auf die reinen Fakten beschränken müssen. Meinungsverschiedenheiten sollten auf den Diskussionsseiten, die zu jedem Artikel gehörten, ausgetragen werden.
  • Konsequenzen der Selbstorganisation und Reaktion der Wikipedia
    • Vandalismus, Unwahrheiten, Copyright-Verletzungen, Verletzung von Zitationsregeln, schlechte Qualität von Artikeln
    • 1. Schritt: Dezember 2005 - ab jetzt dürfen anonyme Nutzer nur noch Einträge ändern, aber keine mehr erstellen. Anlass waren falsche Behauptungen über John Seigenthaler, profilierter Journalist und in den Sechzigern einst Assistent von Robert Kennedy. Die Registrierung dauert nur etwa 20 Sekunden, eine E-Mail-Adresse ist nicht erforderlich. [6]
    • weitere Hoffnung der Maßnahme: die Flut von Beiträgen bremsen, derer die Kontrolleure kaum noch Herr werden. Wales: "Wir hoffen, dass wir den Leuten, die das überwachen, eine bessere Chance geben, die Qualität zu verbessern, wenn wir den Zuwachs von mehreren tausend am Tag auf 1500 am Tag abbremsen." In vielen Fällen seien die problematischen Einträge, die nachbearbeitet werden müssten, "impulsiver Vandalismus". Den hofft Wales nun mit der Registrierungspflicht zu stoppen. Ziel also: Dringend notwendige Qualitätsverbesserung durch bessere redaktionelle Kontrolle.
    • 2. Schritt: August 2007 - Farbkodierung der Einträge. Potentiell dubiose Einträge erhalten eine rote Flagge. Hauptziel: Qualitätskontrolle stark verbessern und die Zuverlässigkeit erhöhen [7].
    • 3. Schritt: Mai 2008 - Erstmalig können Artikel nun von erfahrenen Wikipedianern als "gesichtet" oder "geprüft" markiert werden. Durch die Einführung dieses Features soll Vandalismus leichter aufgedeckt werden: Bei der Suche nach "ungesichteten" und später auch "ungeprüften" Artikeln sollen diejenigen Artikel, die falsche Informationen vermitteln oder einfach inhaltliche Fehler haben, leichter aufgespürt werden [8]. Statt alle Änderungen sofort sichtbar zu machen, sollen Artikel künftig von "erfahrenen Wikipedia-Autoren" oberflächlich gesichtet werden. Normale Nutzer bekommen in der Standardansicht nur noch sogenannte "gesichtete und geprüfte Versionen" zu sehen . [9]
  • Qualität und Erfolg der Wikipedia-Artikel:
    • In einer Studie waren die Wikipedia-Artikel im Durchschnitt besser als die Artikel von Brockhaus. (Quelle?)

Gemeinnützigkeit

  • Wikipedia als Nonprofit-Organisation, in Deutschland als gemeinnütziger Verein.
    • Wikimedia ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Wissen der Menschheit allen Menschen auf der Welt zugänglich zu machen. Verwirklicht wird dieses Ziel in erster Linie durch die Förderung der von der Wikimedia Foundation betriebenen mehrsprachigen Projekte, allen voran die freie Enzyklopädie Wikipedia.
    • Eine Diskussion um Werbung auf Wikipedia begann, aber bis jetzt ausschließliche Finanzierung über Spenden.
    • Vision von freiem Content für alle.
    • Aber auch Schwierigkeiten beim Ausgeben der vielen Spendengelder. Wikipedia Deutschland schwimmt im Geld.
  • Wikipedia ist ein Projekt zum Aufbau einer Enzyklopädie aus freien Inhalten in allen Sprachen der Welt. Jeder kann mit seinem Wissen beitragen. Gute Autorinnen und Autoren sind stets willkommen [10].
  • Anders als herkömmliche Enzyklopädien ist die Wikipedia frei. Es gibt sie nicht nur kostenlos im Internet, sondern jeder darf sie mit Angabe der Quelle und der Autoren frei kopieren und verwenden. Es gibt sogar freie Offline-Versionen. Zukünftig sogar gedruckt von Bertelsmann [11].

Diskurs: Erst diese Ideologie macht diese Wissensansammlung, dieses Kollektiv möglich. Es finden sich die Menschen zusammen, schaffen sich eine Plattform / Community auf der sie sich für das Gemeinwohl engagieren können. Die Frage stellt sich nach der Zusammensetzung der Gruppe und der Arbeitsweise, weil sonst mit der Dummheit der Masse und den durch Gruppen auftretenden Verzerrungsprozessen argumentiert werden kann.

Normen

  • oberste Prinzipien: Offenheit (sich öffnen für partizipative Plattformen für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit), Gleichrangigkeit, Teilen (Kosten senken, Gemeinschaft aufbauen, Innovationen beschleunigen) und globales Handeln (statt Hersteller und Liferant, globales Netzwerk an ganz verschiedenen Unternehmen auf der ganzen Welt --Boeing 787)
  • Die Artikel sollen ausschließlich bedeutsames Wissen aus belegten und zuverlässigen Quellen enthalten. (http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Über_Wikipedia)
  • sich an die Spielregeln halten (zwischenmenschlich sowie von der Argumentationsstruktur)
  • Niemanden verleumden, verletzen usw.
  • Die Artikel von einem neutralen Standpunkt aus geschrieben sein und sich auf die reinen Fakten beschränken müssen. Meinungsverschiedenheiten sollten auf den Diskussionsseiten, die zu jedem Artikel gehörten, ausgetragen werden.
  • Keine Werbung
  • Hirarchien vermeiden, sonst nicht mehr kollektiv, aber eigentlich sehr hierarchisch
    • Wikipedia is structurally a highly top-down system. Structure influences (and sometimes determines) behaviour. Large slow-moving structural features create the context for what can happen there. There are many examples of top-down hierarchical control in Wikipedia: for instance, the featured content, the application of automated algorithms to identify poorly cited or contentious articles, the alphanumeric format for the index, the fact that Jimmy Wales and his crew of administrators have ultimate control which is exercised regularly and often. [12]
  • abweichende Meinungen müssen toleriert werden, durch Diversität entsteht breite Streuung, die im Gesamten die Qualität der Gruppe ausmacht
  • Gruppenzwang und Groupthink muss neutralisiert werden
  • Datenmengen werden erzeugt, weil Benutzer Teil ihrer Privatsphäre (zum großen Teil oft freiwillig) aufgeben, Wie weit darf man gehen?
  • Wikipedia hat "conflict of interest rules" - man darf Artikel über sich selbst nicht editieren, insbesondere gilt das für Firmen. Implikationen und Folgen?
  • Entscheidung über Streitfälle im Komitee [13]:
    • Wie entscheidet ein Computerwissenschaftler, wer Recht hat in einem Streit um den Zusammenhang von angereichertem Uran oder dem Golfkrieg-Syndrom? Er entscheidet gar nicht. Das Committee sieht sich die umkämpften Artikel oft gar nicht an. Raul654 und das Committee richten ausschließlich über Verhalten und nicht über Inhalte. Sie sind eine soziale Kontrolle, keine Qualitätskontrolle. Raul654 und seine Freunde sind dazu da, die Gemeinschaft zu schützen, nicht die Wahrheit. Und ist die Gemeinschaft stark, werden auch die Artikel besser. Das ist die Wiki-Ideologie. Darin haben auch Sangers ehemalige Anarcho-Gegner Platz.
    • Über 200 Artikel hat das Arbitration Committee schon verhandelt. Früher hat Raul654 sich noch die Mühe gemacht, nachzuschauen, wie die Beschuldigten sich vor dem Disput auf Wikipedia verhalten haben. Früher haben die Verhandlungen Monate gedauert. Heute gibt er keinem mehr Bewährung. Denn die Vandalen kämen nach der Bewährung ohnehin wieder und verhielten sich genauso wie zuvor. Man kann Menschen nicht ändern, glaubt Raul654 mittlerweile.
  • Erfahrungsbericht: Wie schreibe ich einen Artikel in Wikipedia?

Diskurs: Kann das ganze nur funktionieren, wenn sich alle an die Regeln halten? Welche Kontrollmechanismen gibt es? Kann Wikipedia überhaupt funktionieren, wenn Kontrollmechanismen zu stark sind? Wie stark müssen die Kontrollmechanismen sein?

Kommunikation

  • Kommunikation ist das Mittel (= Zugang zum "Superwissen")
  • man kommuniziert virtuell, schnell und direkt, wenn man Artikel verändert, ohne lange paper oder aufwendige Expertentreffen
  • Verbreitung von Wissen
  • Aufruf zum Mitmachen (Wer etwas weiß ist dabei)
  • Jeder kann sich beteiligen (Herkunft, Alter, Standort, etc. spielt keine Rolle)
  • Wenn jeder mitmachen kann, sind Kommunikationsregeln, die Hirarchie und Rollen wiederspiegeln veraltet (Vorgestzte redet nicht mehr wie ein Chef)
  • Es müssen neue Arten der Kommunikation gefunden werden (Spielregeln für Open Source)
  • Damit verändert sich auch die direkte zwischenmenschliche Kommunikation ("Gib' mir mal nen Schlagwort.")
  • Auch andere nutzen das Wiki-Prinzip um sich vom User Content generieren zu lassen. Z.B. Amazon. Wie bei Wikipedia sollen Freiwillige unentgeltlich etwas über Produkte schreiben, und so nach und nach einen umfangreichen Produktkatalog entstehen lassen.
  • Wikipedia ist das Konversationslexikon der Neuzeit. Nichts anderes war das erste Brockhaus-Lexikon. Als Gegenmodell zu den französischen Experten-Enzyklopädien sollte es die Bürger aufklären. Die Artikel waren meinungsstark und sehr sendungsbewusst. So wie bei Wikipedia. Wikipedia regt zum Diskutieren an. Aber Verlass darauf ist nicht. Noch nicht? [14]
  • Brockhaus hingegen hat gerade sein 24-bändiges Meyers Lexikon kostenlos online gestellt. Die Software, die der Verlag benutzt, ist die von Wikipedia, sie soll Benutzer dazu animieren, Artikel zu diskutieren und Ergänzungsvorschläge zu machen. Brockhaus will eine Gemeinschaft werden. Verändern, wie auf Wikipedia, kann man die Meyers-Lexikon-Artikel allerdings nicht. Noch nicht? [15]

Quellen

  • Brockhaus druckt letzte Ausgabe [16]

Auf Deutsch

James Surkowiecki: "Die Weiheit der Vielen"

D. Tapscott & A. Williams: "Wikinomic, Die Revolution im Netz"